Fahrt Wanaka --> Queenstown und AufenthaltMo. 29.11.93.
Hartmut:Die Berge in voller Sonne, schneebedeckt bis tief hinunter, tolle Fotomotive vom Lake Wanaka und den umgebenden Gebirgen, was ich zusammen mit einem einzelnen !! Japaner in freier Wildbahn, der hier seine Staffelei aufgestellt hat, gemeinsam erkenne. Wir fahren jetzt nach Queenstown, um dort die nächsten drei Tage zu organisieren. Pause im ehem. Goldschürfbetrieb am Shotover River. Die 10 bis 12 Kilometer Straße jetzt am Fluß entlang bzw. in teilweise beträchtlicher Höhe (ca. 50 m) direkt neben dem steil eingeschnittenen Flußbett ist wieder völlig ungesichert, zwar eng aber in gutem Zustand. Um 10:45 Uhr erreichen wir die Historische Brücke mit Bungy-Springen. Hier werden wir Zeuge einer Gruppe Japaner, die sich -ein Japaner kennt keine Angst- mutig in die Tiefe (ca. 40 Meter) stürzen. Daß es gar nicht so einfach ist, den sog. "inneren Schweinehund" zu überwinden zeigt ein japanisches Mädchen, das zuerst aufgibt, dann nach einer viertel Stunde später ohne Zögern springt. Wir können uns des Eindruckes nicht erwehren, daß allen Springern die Fesseln vom Auffangen des Zuges schmerzen, obwohl sie es nicht zeigen wollen. Für uns jedenfalls ist das gar nichts. Was soll man auch wem beweisen? Weiterfahrt 11:25 Uhr. Halt in Arrowtown, einer ehemalige. Goldgräbersiedlung. Um 12:25 beenden wir den Rundgang durch Arrowtown und dem Abbau- und Wohngelände der chinesischen Goldgräber. Welch armselige und winzige Steinbauten! Die historische Hauptstraße steht voller Autos, Busse voller Urlauber kommen an, die Geschäfte sind modern und auf Nepp mit Nippes aus, also zu kommerziell, als daß es uns hier gefallen könnte.
Gegen 12:45 Uhr Ankunft in Queenstown,
Brigitte:Der erste Blick heute morgen aus dem Fenster ist atemberaubend: Vor uns der Lake Wanaka, rechts und links davon die schneebedeckten und hohen Berge und über allem strahlend blauer Himmel! Am See direkt sitzen zwei Japaner an ihren Staffeleien und versuchen sich in Öl. Sie müssen schon eine zeitlang bei der Kälte hier sein, denn ihre Werke sind nahezu fertig. Die ältere Dame hat die Stimmung ganz gut eingefangen, ihr Bild ist klar und luftig. Der junge Mann hat m.E. zu kräftig in seine Farben gegriffen und zu großflächig gemalt. Er ist auch sichtlich unzufrieden. Meine Eindrücke über Otago: Über der Hochebene liegt ein ganz besonderes Licht. Als erstes muß ich meine Sonnenbrille aufsetzen. Die Augen schmerzen vor Helligkeit. Die umliegenden Berge treten deutlich hervor, jeder Strauch, jeder Bergvorsprung, alles ist klar und scharf zu sehen. Und erst die Farben müssen jeden Maler entzücken. Über den Hängen und Weiden liegt ein Hauch violett, gelber Ginster und Lupinen von weiß über alle rot- und blauvioletten Töne, darüber ein Himmel von tief ultramarin nach coelinblau, weiße Wolken wie mit dem Pinsel hingetupft. Leider hält dieses Licht und damit die Stimmung nur etwa eine Stunde an, dann zieht sich der Himmel wieder zu und ohne Sonne ist der Zauber vorbei. Um 9:30 sind wir auf der Fahrt nach Queenstown. Ein kleiner Hinweis auf Bungy-Jumping läßt uns auf den Parkplatz der historischen Kawarau Bridge einbiegen. Von dieser Brücke springen die Mutigen in die tiefe Schlucht, ca. 40 Meter, federn an dem Gummiseil einige Male auf und ab, bis sie von einem Schlauchboot aufgenommen werden. Ich denke, ein Sprung in die Tiefe erfordert sehr viel Mut und die meisten Springer lösen ihre Spannung mit lauten, gellenden Schreien. Nichts auf der Welt würde mich dazu bringen, zu springen. Arrowtown, die hochgepriesene Goldgräberstadt kurz vor Queenstown, enttäuscht uns arg. Es ist alles zu kommerziell. Busse karren Touristen aus Queenstown und von wo auch immer heran, die sich in die Geschäfte und Lokale stürzen, als könnten sie was verpassen. Auf der Hauptstraße verkehren Autos und Busse in beiden Richtungen. Was von den alten Behausungen des chinesischen Teiles noch übrig geblieben ist, ist auch nicht so interessant. Es fehlt einfach eine liebevolle Restauration des Geländes und der Gebäude. Vor allem paßt der Autoverkehr wie die Faust aufs Auge. Wir halten uns daher nicht lange auf und fahren weiter ins naheliegende Queenstown, wo wir um 13 Uhr in der Stadtmitte ankommen. Wir parken an einer Straße und informieren uns am Hafen und im Informationsbüro über einen Flug zum Milford Sound. Wir schlendern durch das Einkaufsviertel, essen in einem China-Restaurant zu Mittag und lassen uns mit der Skyline Gondola hinauf auf den Bob's Peak bringen, von dem wir einen weiten Blick über Queenstown, den Lake Wakatipu und die ihn umschließenden Gebirgsketten genießen. Das von uns gewählte Kiwi-Camp stellt sich als etwas Besonderes heraus. Ziemlich nahe der Stadtmitte gelegen, ist der Platz naturgemäß nicht sehr großzügig bemessen, dafür aber optimal eingeteilt und zwar auch so, daß man sich vom Nachbarn nicht gestört fühlen muß. Das Haus mit den gepflegten Facilities ist ein brauner Rundbau aus Holz, sehr gemütlich eingerichtet mit liebevollen Details wie kunsthandwerklichen Türschildern, über der Küche hängt als Hinweis eine Bratpfanne mit Kochlöffeln, die Türen für Damen und Herren mit netten, sitzenden Figuren. Den Mittelpunkt des Baues bildet ein aufrecht stehender, mindestens 8 Meter hoher Kessel von 2 Meter im Durchmesser. Soweit man heraufreichen kann, haben sich schon viele Camper aus aller Welt hier mit ihrem Namen verewigt, wir natürlich auch:
Der Chef hier ist ein lustiger, quicklebendiger Mann. Wir reservieren bei ihm unseren morgigen Ausflug, doch da alles vom Wetter abhängt, bekommen wir erst morgen früh eine Bestätigung. So wie das Wetter heute würde es uns reichen. |
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