Fahrt Franz Josef Glacier --> Fox --> WanakaSo. 28.11.93.
Hartmut:Vor 5:20 Uhr werde ich von lauten Gesängen der Vögel geweckt. Es beginnt gerade zu dämmern. Ich lasse trotz des einfachen Kassettenrecorders die Gelegenheit nicht aus, diese Gesänge aufzunehmen, um mich zu Hause später daran erinnern zu können. Besonders die klaren bzw. scharfen, metallenen Laute der Bellbirds haben es mir angetan. Zwanzig Minuten später ist es wie auf Kommando wieder muksmäuschen still, so als hätte es vorhin das laute Geschrei aller möglichen Vögel, allen voran der Bellbirds, nicht gegeben. Abreise um 9:30 Uhr Richtung Fox Glacier und Ankunft gegen 10:05 Uhr beim Lake Matheson. Es klart etwas auf und die Sonne kommt kurz heraus, sodaß es hier gelingt, den Mount Cook, wenn auch mit der Spitze in Wolken zu fotografieren. Es ist nun 11:45 nach einem Rundgang um den Lake Matheson.
Man sollte wie zu den Straßen, die meist keine Mittelmarkierung haben und auch keine Leitplanken kennen, zu den Waldwegen sagen, daß diese hervorragend ausgebaut sind und mit Holzstegen bzw. Holzbrücken über Bäche und Sumpfgelände führen. An besonders von oben feuchten Stellen sind diese Holzstege zusätzlich gegen Ausrutschen mit feinem Maschendraht bespannt. Ein ganz schöner und teurer Aufwand. Dies muß einfach und zur Einordnung fair gesagt werden. Eintreffen am Fox Glacier um 12:15 Uhr. Hier am Parkplatz tummeln sich fünf Keas, die sich aber bald von den Leuten gestört in höhere Regionen zurückziehen. Wir wandern über Gletschergeröll in leichtem Nieselregen zur mächtigen, vielleicht 50 Meter hohen Gletscherzunge. Einige Fotos in dieser kritischen Beleuchtung wage ich zumindest als Erinnerung. Nach einer Stunde sind wir zurück auf dem Parkplatz. Nach einer Stunde Fahrt, jetzt 14:15 Uhr, sind wir am Lake Paringa. Hier legen wir eine Pause von 30 Minuten ein. Wir überqueren nun die Haast Bridge, das ist die längste, einspurige Brücke Neuseelands mit 720 Metern Länge und zwei Ausweichstellen. Auf dieser Brücke, wie kann es auch anders sein, begegnen uns gleich zwei !! Autos, während auf der bisherigen Strecke fast nichts los war. Beispielweise sind uns heute Vormittag mehrmals erst nach 15 bis 20 Minuten jeweils ein Fahrzeug entgegengekommen. Wanaka empfängt uns mit leichtem Regen, während es auf dem ganzen Weg über den Haast-Pass ununterbrochen geschüttet hat, was das Zeug hält. Der heftige Sturm auf den drei unbefestigten Teilstücken von ca. 8 Kilometern Länge am Lake Wanaka und Lake Hawea macht die Fahrt auf der total aufgeweichten Straße zur Schmierseifenpartie. Als Höchstgeschwindigkeit sind 20 Km/h angesagt, zumal die Straße in 40 bis 50 Meter Höhe senkrecht zum See abfällt. Und von Leitplanken wieder weit und breit nichts zu sehen! Ich kann nicht behaupten, daß mir dieser Abschnitt Freude am Fahren gebracht hat, vielmehr hing mein Herz weit durch vor Muffensausen. Jetzt kommt die Sonne durch einen leichten, weißen Schleier heraus und es ist auch etwas blau auszumachen, und das ist zum übrigen Verlauf der zweiten Tageshälfte schon als freundlich zu bezeichnen. Um 17:50 Uhr Ankunft Wanaka Motor Park. Ob wir morgen von Wanaka aus Ausflüge machen oder gleich nach Queenstown, was uns attraktiver erscheint, weiterfahren, werden wir heute abend entscheiden. Brigitte:Um 5:30 Uhr wecken uns einige Bellbirds mit ihrem Gesang. Entfernt erinnert das metallische Rufen an ein Glockengeläut, passend zum Sonntagmorgen. Hartmut nimmt das Konzert auf Tonbandgerät auf. Eine halbe Stunde später ist wieder tiefe Stille und wir hören den ganzen Tag keinen Bellbird mehr. Danach schlafen wir noch einmal fest ein und weil Sonntag ist, erlauben wir uns bis 7:30 Uhr im Bett zu bleiben. Diese halbe Stunde länger fehlt uns nun und so sind wir fast die letzten, die das Camp verlassen. Wir treffen jetzt vermehrt Leute wieder, denen wir schon früher begegnet sind. Dazu gehören auch die zwei jungen Leute aus Wien, die wir schon von Taupo her kennen. Auch begegnen wir wieder einer Gruppe Österreicher, die stets mit ihren 3 Wohnmobilen in Kolonne fahren und den Verkehr aufhalten. Doch nun zum heutigen Tag. Vom Franz Josef fahren wir zum Lake Matheson. Dieser See ist sehr bekannt für seine schönen Spiegelungen der nahen Gebirgslandschaft. Das Wasser ist ganz dunkel, wir denken es ist ein Moorsee. Ich habe schon einige Aufnahmen davon gesehen, mit weiß verschneitem Mount Cook und mit Wolken. Leider können wir das nicht genießen. Die Wasserfläche ist vom Wind gekräuselt, zuerst ist das Bergmassiv des Mt. Cook noch im Sonnenschein zu sehen, dann aber senken sich die Wolken immer tiefer bis es schließlich zu regnen beginnt. Wir wandern um den ganzen See. Der Weg ist gut präpariert und führt meist über Holzstege und Treppen zu den besonderen Aussichtspunkten, wie den "View of the Views". Hier sehen wir eine ganze Schar Paradise Shelducks, die einen Höllenlärm machen und z.T. hoch auf den Bäumen sitzen. Die Erpel sind schwarz mit leuchtend grünen, roten und weißen Flügelspitzen. Die Weibchen haben einen weißen Kopf und rostrote Brustfedern. Am Ende unserer Rundwanderung machen wir Bekanntschaft mit einer Taube, die etwa fünf Meter von uns in Kopfhöhe in einem Baum sitzt (New Zealand Pigeon), ein sehr großer, schön bunter Vogel. Als Hartmut seine Kamera bereit hat, fliegt das Tier zu unserem Ärger weg in den dichten Regenwald. Da wir gestern abend den Franz Josef Glacier nur von weitem gesehen haben, wollen wir uns den Fox Glacier jetzt etwas genauer besehen. Am Parkplatz sehen wir einige Keas, die sich von Besuchern mit Nüssen füttern lassen. Diese Vögel sind größer, als ich sie mir vorgestellt habe. Sie zeigen aber nicht viel Interesse trotz verlockender Angebote an Nüssen und ziehen sich in höhere Regionen zurück. Der Weg zum Gletscher ist beschwerlich, denn er verläuft quer zu den Geröllhängen des Gletschertales und ist eigentlich gar nicht richtig angelegt. Wir kommen ziemlich nahe an die Gletscherzunge heran, das Eis schimmert schön blau, aber ohne Sonne sieht es auch recht schmutzig durch die mitgeführten Stein- und Geröllmassen aus. Inzwischen stellt sich der unvermeidliche Regen wieder ein und wir kommen total naß zum Parkplatz zurück. Überall hier ist unterhalb der recht niedrigen Baumgrenze undurchdringlicher Regenwald mit Baumriesen und Farnen zu sehen. Von den Zweigen hängen Moose und Flechten wie Bärte herab und nirgends ist Baumrinde zu erkennen, so ist alles mit Moos und anderen Pflanzen bewachsen. Hier an der Westküste fällt nämlich äußerst viel Regen durch die Wetterscheide, die der Mount Cook zusammen mit den anderen Gebirgszügen der neuseeländischen Alpen bildet. Hier fällt mit 7000 mm Regen jährlich viermal soviel wie in Auckland und 10 mal soviel wie zu Hause im Schwabenländle. Auch heute macht der Regen seinem Namen alle Ehre, denn es regnet nur einmal, das aber den ganzen Tag lang bis zum Abend. Der Weg weiter führt mal wieder am Meer entlang, dann über gewundene Bergstraßen in Küstennähe. Am Lake Paringa ist ein Lunch fällig und wir pausieren eine halbe Stunde. Später in Haast nehmen wir Abschied von der Tasman See und folgen dem Haast River aufwärts bis zum Haast Pass. Hier kriecht wieder die Österreich-Kolonne vor uns her. Auf der engen und nassen Straße ist aber an Überholen nicht zu denken. Erst nach dem Pass kommen wir vorbei. Auch der Haast-Pass ist eine Wetterscheide, also hoffen wir auf besseres Wetter in Otago. Doch zunächst bleibt alles wie gehabt, Regen, Regen allemal. Allmählich und langsam kommen wir aus den Bergen heraus und der Regenwald macht den Wiesen und Weiden Otago's Platz. Nach all dem satten Grün der Wälder ist es schön, wieder blühende gelbe Lupinen und braune Hänge zu sehen. Vorbei am Lake Wanaka und Lake Hawea erreichen wir Wanaka, einem kleinen Ort mit 1600 Einwohnern. Am Abend klärt sich der Himmel auf, es bleibt aber frisch. Aus unserem Wagen haben wir einen schönen Rundblick auf den See und die umliegenden Berge. Ein Regenbogen und später ein blasses Abendrot - verspricht das einen schönen morgigen Tag? |
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