KmZeit von bisBeschreibung
 
 09:15-10:00Bootsfahrt von Marahau zur Bark Bay
 10:30-18:308 Stunden Wanderung im Tasman NP retour
 12:30-13:00Torrent Bay
  Kleopatras Pool
  Anchorage Bay
  Tinline Bay
 18:30Ü: Marahau Camping Ground

Aufenthalt Abel Tasman N.P.

Do. 25.11.93.

Temperatur:06:4513° C
Wetter morgens: Klarer und tiefblauer Himmel
Wetter tags:  Leicht bis zeitweise stark bewölkt, abends aufgelockert

 
Brigitte     Hartmut

Hartmut:

Für heute vormittag haben wir eine Bootfahrt zur Bark Bay gebucht. Von dort wollen wir dann nach Marahau 6,5 h zurückwandern. Der hiesige Urwald im Abel Tasman NP soll lt. Beschreibungen aus Baumarten der Nordinsel, die wir ja z.T. schon kennen, und aus neuen, nur auf der Südinsel vorkommenden Arten bestehen. Auf diese Mischung, die den besonderen Reiz dieses NP's ausmacht, sind wir jetzt gespannt.

Es ist jetzt 18:20 Uhr, als wir zum Ausgangspunkt zurückkommen. Mir tun die Füße weh, Brigitte ist auch ziemlich abgeschlafft, aber jetzt will ich der Reihe nach berichten.

Heute morgen werden wir von einem Lieferwagen um 9 Uhr abgeholt, der uns einige 100 Meter weiter zur Anlegestelle des Bootes bringt. Hier wird das Bay-Taxi mit den bereits aufgeladenen Gästen der anderen Reisegruppe mit dem Anhänger in's Wasser gelassen. Einige Zeit, vielleicht 15 Minuten später kommt ein schnittiges Boot in die Bucht gefahren, bleibt aber ca. 200 Meter vom Strand liegen und läßt ein Schlauchboot zu Wasser. Dieses fährt nun zu uns an den Strand und wir werden zu Acht verladen und zur Catalina, so der Schiffsname, trockenen Fußes gebracht. Das Jetboot ist größer als gedacht, denn es kann insgesamt auf den 2 Decks fast 50 Personen aufnehmen. Heute sind wir etwa 20 Mitreisende. Jetzt startet die Catalina mit einer mir unbekannten Beschleunigung und einer mehr als 2 Meter hohen Heckwelle. Wir fahren an der Küste entlang und besuchen die einzelnen Buchten soweit der Wasserstand die Annäherung erlaubt. Die Sonne scheint ungetrübt, sodaß wir einige der herrlichen Buchten und Küstenansichten im Film festhalten können.

An der Bark Bay angekommen, werden wir, die wir von hier aus zurückwandern wollen, mittels Schlauchboot ausgesetzt und zum Strand gebracht. Einige Mitreisende bleiben auf der Catalina, denn sie machen mehrtägige Wanderungen oder wollen nachmittags wieder nach Nelson zurück.

Wir wandern etwa um 10:30 los und sind nach 2 Stunden bereits in der Torrent Bay. Swingbridge unterwegs. Hier im Sonnenschein am Strand nehmen wir unser Rucksackvesper ein und brechen nach einer halben Stunde um 13 Uhr wieder auf.

Das Meer hat nun Low Tide, also Ebbe, und es besteht die Möglichkeit, den inneren Teil der Bucht über den jetzt trockengefallenen Strand aus Sand und Muscheln zu überqueren und damit einen Umweg zu sparen. Da dies, wie es bei den anderen Wanderern zu sehen, nicht ohne nasse Füße und vielleicht auch Klamotten geht, entschließen wir uns zu dem längeren, also dem High Tide Weg. Der Umweg ist viel länger als vermutet, denn es müssen immer noch mehr Buchten umgangen werden, dafür kommen wir aber am Kleopatra-Pool vorbei, den wir uns nicht entgehen lassen und eine halbe Stunde spendieren. Brigitte ist nicht zu bewegen, es der Kleopatra nachzutun, das Wasser ist auch zu kalt.

Von hier aus sind wir gelaufen und gelaufen, zuerst bergauf und bergab teilweise der Küste entlang, dann wieder ein wenig ins Landesinnere. Auf etwa 100 Meter Höhe führt jetzt ein fast ebener Weg, der uns dann auch etwas tiefer ins Land bringt, dafür in Küstennähe herrliche Ausblicke auf Küsten, Buchten und Landschaft gestattet. Vorbei an der Anchorage und Tinline Bay kommen wir müde und erschöpft nach 6,5 h ab der Torrent Bay am Campingplatz an, obwohl die gesamte Wanderzeit von der Bark Bay mit 6,5 h angegeben ist. Hier schlägt also der Umweg an der Torrent Bay gewaltig zu Buche.

Unterwegs von 14:30 bis 15 Uhr hatten wir kräftigen Nieselregen, der unsere Regensachen erforderte. Dabei wandern wir, wie schon einige Male vorher auf der Nordinsel, in einer Nieselwolke, während um uns herum die Sonne strahlt. Diese Extreme gibt es wohl so häufig nur hier in Neuseeland!

Die gesamte Wanderstrecke schätze ich unter Berücksichtigung des sehr gut ausgebauten Weges, der intakten Brücken usw. auf über 30 Kilometer. Das Erlebnis dieses Urwaldes, der sein Bild und seine Zusammensetzung manchmal unmittelbar nach einer Kurve oder nach Überwindung einer Höhe völlig ändert, möchte ich aus der Rückschau nicht mehr missen. Neue Baum- und Straucharten, 10 bis 15, teilweise bis 30 Meter hoch, dabei wie bisher schon der Urwald licht und sonnig. Zwischen Bark und Torrent Bay hören wir einen Vogel, der einen eigentümlichen, metallenen Gesang, bzw. Einzellaute von sich gibt. Eine vorsichtige Annäherung auf Sicht gelingt leider nicht. Später erfahren wir dann, daß es sich um den Bellbird handeln müsse, was wir im Gebiet des Fox-Glacier dann bestätigt finden.

Brigitte:

Gegen 6 Uhr morgens weckt uns eine Singdrossel. Kurz nach 9 Uhr holt uns ein Schlauchboot vom Strand ab und bringt uns zur Catalina, dem Ausflugsschiff, das draußen vor der Bucht auf uns wartet. Wir rasen mit dem äußerst schnellen Schiff in nördlicher Richtung vorbei an bewaldeten Hügeln und Felswänden und vielen stillen, verträumten Badebuchten mit leuchtend weißem Sand. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir die Bark Bay und dort werden wir vom Schlauchboot ausgesetzt. Jetzt sind wir auf uns allein gestellt. Das Wetter ist sonnig und warm. Bis zur Torrent Bay schaffen wir den Weg in zwei, statt der angegebenen zweieinhalb Stunden. Nach einer kurzen Rast nehmen wir den Fußmarsch wieder auf. Jetzt trennt sich der Weg in die Low- und High-Tide-Route. Wir versuchen die Route über den Strand, doch durch Schlick und hüfthohe Wassergräben waten zu müssen, wie wir jetzt erkennen, steht uns nicht der Sinn. So nehmen wir den längeren High-Tide Weg durch den Wald. Doch wenn wir gewußt hätten, wieviel länger diese Strecke ist -und immer noch eine weitere Biegung der Torrent Bay folgt der vorherigen- hätten wir sicher die nasse Strecke gewählt! Wir schreiten tapfer aus und benötigen noch mehr als sechs Stunden bis Marahau.

Die Strecke ist sehr schön durch den Urwald. Der Wald selbst ist vielseitiger als auf der Nordinsel. Hier gibt es viele Sorten Farne, Baumfarne, Palmen, Bäume und Sträucher, die wir schon von der Nordinsel her kennen und auch Laubbäume, blühende Sträucher, Flechten und Moose in großer Artenvielfalt. Wir entdecken einige Baumpilze und kleine, weiße und runde Pilze, die wie unsere Boviste aussehen, aber keine Hutpilze.

Der Wanderpfad windet sich rauf und runter oberhalb der Buchten, durch Flußtäler, über zahlreiche Brücken und eine lange und schwankende Hängebrücke. An vielen Stellen gibt der Weg herrliche Ausblicke auf das Meer und die Buchten frei. Uns begegnen zu unserer Überraschung verhältnismäßig viele Rucksackwanderer.

Natürlich können wir Kleopatra's Pool nicht auslassen. Also machen wir den Umweg und erreichen nach etwa 10 Minuten einen Wasserfall, der in einer natürlichen Steinrinne in ein von großen Steinen umgebenes Wasserbecken fließt. Das Wasser jedoch ist eisig und lädt nicht zum Bade ein. Zurück auf dem Track macht uns ein kräftiges Gesumme auf ein Bienenvolk aufmerksam, das sein Nest in einem großen, hohlen Baum angelegt hat.

An Vögeln sehen und/oder hören wir:

  • Buchfink (Chaffinch)
  • Silver Eye
  • Distelfink (Goldfinch)
  • Robin
  • Fantail
  • Quail
  • Meise (Tomtit)
  • Eisvogel (Kingfisher)
  • Möve / Seeschwalbe
  • Kormoran (Shag)

Um 18:30 Uhr schleppen wir uns ins Motor-Camp. An der Straße kaufen wir noch einen Bund Spargel und geben den geforderten NS$ in die Blechbüchse mit Schlitz. Morgen könnten wir mal wieder Filet-Steaks braten, dazu den Spargel. Das wär doch passend. Heute abend aber schaffen wir es gerade noch, das übrige Chilli con Carne im Mikro aufzuwärmen. Im Camp ist es jetzt am Abend sehr ruhig. Die wie wir eine Tageswanderung hinter sich haben, sind müde und schlafen schon, andere bleiben mehrere Tage im Nationalpark und übernachten in mitgenommenen Zelten oder öffentlichen Hütten.



Copyright © 1998 Hartmut Spahr. Alle Rechte für Texte und Fotos vorbehalten.