KmZeit von bisBeschreibung
 
02208:45-Abzweig bei Te Kapi zu den Sanddünen
004-09:40  Beginn des 90 Mile Beach, Aufenthalt
062 Maori-Kunstwerke an der Straße
03512:00-12:45Kaitaia, Mittagspause
08814:45-Besuch eines Gartencenters unterwegs
01816:00-Besichtigung des Haruru Wasserfalles
00917:00Ü: Paihia: Opua Smiths Holiday Camp (Top10)
2385:20hTageskilometer und Fahrzeit

Fahrt Cape Reinga --> Paihia

Mi. 10.11.93

Temperatur:07:0015,5° C, im Fahrzeug Luft und Kleidung leicht klamm
Wetter morgens:  Stark bewölkt mit einzelnen Sonnenlöchern
   läßt aber hoffen für den Tag
Wetter tags : Ab mittags heftiger Regen
Radio: Empfang in dieser Bucht ist nicht vorgesehen

 
Brigitte     Hartmut

Hartmut:

Wir stehen jetzt an der Einfahrt zum Ninety Mile Beach, wo wir ja leider gemäß Mietwagenkontrakt nicht fahren dürfen. Vor uns das niedrige Flußbett, durch das die Autos zum Strand fahren müssen und mehrere riesige, über 150 Meter hohe Sanddünen aus feinstem hellen Sand. Im Vordergrund sattes Grün der Flußaue mit Binsen, Gräsern und gelben Lupinen und im Hintergrund das beeindruckende Bild des Urwaldes mit Palmen und Farmbäumen.

Um 9:40 Uhr haben wir uns zwar noch nicht sattgesehen und könnten eigentlich zu Fuß durch das Flußbett die paar 100 Meter zum Strand laufen, aber wir beschließen, jetzt die 4 Kilometer zur Hauptstraße zurück- und dann weiterzufahren.

Kurz vor Kaitaia halten wir an den schon auf der Hinfahrt neben der Straße entdeckten Figuren aus Stroh, Holz, Steinen usw. Es handelt sich, wie wir auf den zugehörigen Schildern lesen können, um für unsere Begriffe sehr ungewöhnliche Wahlwerbung für einen Kandidaten und eine nicht unerhebliche, aber spaßige Verspottung des Amtsinhabers. Wir fotografieren alle Darstellungen, um sie vielleicht einmal zu Hause in Diskussion zu bringen.

Anmerkungen zur Straße bzw. zum Verkehr:

Es ist schon etwas ungewöhnlich in unserer Vorstellung, wenn vielleicht alle 3, 4, 5 oder auch 6 Kilometer mal ein Auto entgegenkommt, man erschrickt dann regelrecht, erst recht, wenn das in einer engen Kurve geschieht, und gerade dann kommt es auch am häufigsten vor, so scheint es wenigstens. Trotzdem sind das für's Autofahren traumhafte Verhältnisse und es macht unbändig Spaß. Jetzt sind die Aussagen des Reiseführers nachvollziehbar, die Neuseeländer seien begeisterte Autofahrer.

Um 12:00 Uhr Ankunft in Kaitaia. Zu Mittag gibt es heute ein Brathähnchen aus dem Supermarkt. Die Weiterfahrt nach Paihia beginnt 12:45 Uhr. Als wir von der Halbinsel zum Festland kamen, zogen sich bereits die Wolken zusammen und es regnet jetzt ziemlich heftig.

Wir fahren jetzt den SH 1 Richtung Auckland. Dabei durchqueren wir eine mit Urwald dicht bestandene Hügelkette und arbeiten uns durch die engen Kurven und kurzen geraden Abschnitten von 40 bis max. 100 Metern Länge. Also eine ganz schöne Kurverei, aber kein Problem bei dem guten Ausbau und Zustand der Straße trotz des Regens. Leider verpassen wir den Standort der Kauri-Bäume, wollen aber auch nicht die vielleicht 10 Kilometer zurückfahren. Dafür folgen wir später dem nach links abgehenden Abzweig zum Puketi Forest, der nach Karte bei Paihia liegt. Nach etwa 6 Kilometern erreichen wir den Eingang zum Forest, der aber nur zu Fuß begehbar ist. Bei diesem Regen kommt zu einem Fußmarsch aber keine Freude auf. Also fahren wir auf dem Matschweg weiter, nicht ahnend, wie wir unser Fahrzeug dabei herrichten, zum SH 10.

Wir pausieren ab 14:45 Uhr an einem interessanten, mitten in der Landschaft liegenden Gartencenter, von hier nehmen wir erstmals die schmackhaften Neuseeland-Apfelsinen mit. Um 16:00 Uhr erreichen wir die Haruru Falls.

Ankunft 17:00 Uhr Smith Holiday Camp in Opua. Dieses etwa 5 Kilomter nach Paihia liegende Camp in Opua ist wieder ein Glückstreffer direkt am Wasser der Bay of Islands in einer kleinen malerischen Bucht. Der von mächtigen rotblühenden Bäumen bestandene Platz ist natürlich Anziehungspunkt der großen schwarzen Nektarvögel (Tui's), wie wir sie schon zuvor kennengelernt haben. Wir klassifizieren diesen Platz als bisher gepflegtesten und besten ein, schließlich gehört er auch zu der Top Ten Gruppe. Die Belegung mit fast ausschließlich Maui-Campern ist dicht zu nennen. Leider ist es noch ein wenig feucht von oben, also säubern wir zuerst einmal unseren total verdreckten Wagen.

Es ist jetzt 19:00 Uhr, der Regen hat aufgehört und der Himmel ist wieder blau. Wir entdecken zufällig den direkt seitlich vom Camp abgehenden Pfad durch den Urwald entlang der Bay in 10 bis 40 Meter Höhe nach Paihia. Also nichts wie ran und die Gelegenheit vor der Dunkelheit genutzt, um durch den Opua Forest Richtung Paihia zu gehen. Wir sehen hier wieder verschiedene Farne und Farnbäume, Flechten, blühende und duftende Sträucher im Urwald auf Meereshöhe. Da der Weg nach den vorausgegangenen heftigen Regelfällen trotz des typischen Muschelbelages teilweise recht glitschig ist, beschließen wir nach einer halben Stunde trotz der intensiven Stimmung und Eindrücke in der untergehenden Sonne, den Rückweg anzutreten, da uns der Pfad in der Dunkelheit nicht sicher genug ist.

Brigitte:

Von der Tapotupotu Bay fahren wir auf der einzigen Straße zurück in Richtung Süden. Nach 16 Kilometern biegen wir gemäß einem erhaltenen Tip nach rechts ab, wo auch die Fuller-Busse zur Ninety Mile Beach fahren. Wir folgen der Schotterpiste bis zum Flußbett, in dem die Autos und Busse dann zum Strand fahren. Hier müssen wir gemäß Mietvertrag des Wohnmobils umkehren. Abgesehen davon würden wir sowieso nicht dort hinunterfahren. Aber auch so hat sich der Abstecher gelohnt. Die riesigen Sanddünen und der Flußlauf samt Uferzone sind sehenswert.

Ein zweites Mal noch halten wir auf der Halbinsel an, um eine ungewöhnliche Wahlpropaganda, die wir auf der Fahrt zum Cape Reinga zu spät gesehen haben, heute zu fotografieren. (Vor einigen Tagen waren Wahlen in Neuseeland. Mr. Boulders Konservative Partei hat zwar eine Menge Stimmen verloren, es reicht jedoch, um erneut die Regierung zu bilden.) Aus Strohballen, Blechschildern und anderen Materialien ist hier eine Figurengruppe gebastelt und mit Parolen beschriftet worden. Hoffentlich kann man alles auf den Fotos erkennen.

Zurück auf dem Festland setzt heftiger Regen ein, der bis zum Abend anhält. Es gießt zeitweise wie aus Kübeln! In Kaitaia kaufen wir in einem Supermarkt noch etwas zum Essen ein. So auch ein riesiges gebratenes Hähnchen, das wir mit frischem Brot gleich auf den Parkplatz verzehren.

Alle paar Kilometer liegen überfahrene Tierkadaver auf der Straße, die wir bisher für Hasen oder Katzen hielten. Inzwischen wissen wir, daß es sich um Opossums (australischer Fuchskusu) handelt. So viele Katzen kann es gar nicht geben. Irgend jemand brachte Opossums ins Land, um eine Pelzfarm zu gründen. Die Pelze sind inzwischen aus der Mode gekommen und so ließ man die Tiere einfach frei. Da Opossums (sowie Ratten, Wiesel und Iltis) in Neuseeland keine natürlichen Feinde haben, vermehren sie sich enorm. Wegen ihrer enormen Gefräßigkeit haben die Opossums Schuld am Waldsterben auf beiden Inseln. Ähnlich ist es mit dem Rotwild, das das ganze Jahr zum Abschuß freigegeben ist.

Hinter Kaitaia müssen wir über ein im Bau befindliches Straßenstück fahren. Der Regen hat inzwischen alles aufgeweicht und die Dreckfontänen der entgegenkommenden und überholenden Fahrzeuge verwandeln unser Gefährt in ein braunes Ungetüm. Wir wären gerne in einem der Forests ausgestiegen und ein Stück gewandert, aber es regnet zu heftig. So fahren wir wieder zur Bay of Islands, wo wir morgen nochmals einen Versuch machen, die Schiffstour zum Cape Brett zu unternehmen.

Der Campingplatz an den Haruru-Falls gefällt uns sehr, aber wir bleiben dann doch in Opua. Dieser Platz ist ebenso schön in einer eigenen Bucht gelegen. Der untere Teil am Wasser ist ziemlich belegt, auch einige Maui-Fahrzeuge sind hier. Die Gemeinschaftseinrichtungen sind Spitze und hier hört man überall deutsche Sätze. Neuseeland scheint fest in deutscher Hand zu sein, dieser Eindruck verstärkt sich immer mehr. Die meisten sind (sehr) junge Menschen, die wohl auch länger hierbleiben.

Nach unserer Ankunft hier in Opua nehmen wir erst einmal bei strömendem Regen den langen Besen, mit dem ich sonst jeden Morgen unser Heim auskehre, und einen Wasserschlauch und waschen den Schlamm von unserem Wohnmobil. Nun ist es wieder weiß. Da ich schon mal bis auf die Haut naß bin, zieht es mich unter die heiße Dusche und meinen Haaren tut eine Wäsche auch gut. Inzwischen hat Hartmut die Heizung eingeschaltet und es ist mollig warm. Nach einer Tasse Kaffee und einem Stück Rosinenkuchen unternehmen wir einen kleinen Spaziergang hoch über der Bucht durch den Wald, denn der Regen hat endlich aufgehört. Dieser Pfad bietet einen herrlichen Blick über die Bay of Islands. Ich dränge zur Umkehr, da die Nacht hier fast ohne Dämmerung unmittelbar einsetzt.



Copyright © 1998 Hartmut Spahr. Alle Rechte für Texte und Fotos vorbehalten.